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Das Tölen-Gleichnis

Etwas über Holzhandwerk, etwas über Platon und etwas über Hifi.



Begonnen hat alles vor ca. 11 Jahren. Auch damals war das Thema Lautsprecherbau schon wichtig und ebenso hat das opulente Bretz Sofa mich seit dem nicht mehr losgelassen. Das Versprechen, so ein Cloud 7 zu erstehen, sobald das Studium vorbei ist, kam mir nun wieder in den Sinn. Nach etwas Suchen habe ich ein gebrauchtes Explar bei Rosenheim erworben und in den Schwarzwald überführt.


So stand es dann im Orgelsaal. Natürlich nicht ohne ein Konzept wie dieses riesige Polstermöbel richtig zur Geltung kommen kann.



Es sollte das Zentrum unseres Hörraums werden. Eine basale Eigenschaft hat es schon, im sonst so halligen Saal, gezeigt. Das Cloud 7 dämpft ungemein gut.


In den einschlägigen Hifi-Youtubekanälen, -Magazinen und bei den Händlern werden Absorber angepriesen, die viel kosten und oftmals nicht besonders schön oder viel zu auffällig sind. So ein ordentliches Sofa macht in Sachen Nachhallzeit schon so viel, dass es nicht viel Weiteres braucht.


Darauf, warum ein Polstermöbel das am meisten unterschätzte Glied in der Hifi-Kette ist, werde ich am philosophischen Ende eingehen. Doch zunächst zum Handwerklichen.



Viel Holz musste zugerichtet werden, um ein wirklich großes Podest zu bauen, auf welchem das Cloud 7 auch richtig zur Geltung kommt. In den zwei Zeitrafferaufnahmen sind der Samstag und Sonntag festgehalten und man sieht das Konstrukt wachsen. Im Podest habe ich die Dämmmaten verarbeitet, welche zuvor als Bassabsorber in den Raumecken ihren Dienst getan haben. So muss ich sie zumindest nicht mehr verstecken.


Nach Auflegen des Teppichs war ich optisch zufrieden, aber der Trittschall der Holzbretter war einfach zu laut. Im Baumarkt des Vertrauens sind mir Bautenschutzmatten epfohlen worden. Das Recycling-Gummi-Zeug, welches andere unter Waschmaschinen legen, gibt es auch in groß und war in 8mm Stärke das ideale Material.



Alles unter den Teppich zu bringen, zu fixieren, zuzuschneiden und den Teppich ordentlich zu verlegen war dann noch mal fast ein Tag Arbeit.



Das Gesamtergebnis kann sich sehen lassen. Ca. 250mm hoch und knappe vier mal fünf Meter groß. Dieses Podest bringt das Bretzsofa auf ein ordentliches Niveau und man fühlt sich auf dem grauen Teppich sehr geborgen.



Oben habe ich bereits erwähnt, dass Sofas von allen Leuten, die mit Musikwiedergabe zu tun haben, sträflichst vernachlässigt werden. Nicht nur weil es so wichtig für die Raumakustik ist, sondern auch weil es im wahrsten Sinne des Wortes die Basis unseres Musikgenusses darstellt.


"Das Tölengleichnis"


Wie einst der Hund von His Masters Voice sitzen wir, die wir uns dem qualitativen Musikgenuss verschrieben haben, ganz gespannt vor den Lautsprechern. Auch die Höhlenmenschen aus Platons Gleichnis waren gefesselt und haben die Dinge beurteilt, deren Schatten sie sahen. Wir sind wie die Höhlenmenschen. Wir nehmen die Musik durch unsere Lautsprecher, Verstärker, Kabel, etc. war wie die Menschen, die hinter der Mauer saßen. Einer will besser darin sein als der andere zu erkennen was die Schatten für Dinge darstellen. Und jeder von uns weiß, dass seine Anlage die Musik noch besser spielt und dabei sind wir so weit von Live-Musik entfernt wie die Höhlenmenschen vom Ausgang der Höhle.

Wie die Töle vorm Schalltrichter sitzend, sollte man wissen, dass es den richtigen Klang nicht gibt, da wir nunmal alles nur indirekt durch unsere Hifi-Kette wahrnehmen und sei sie noch so teuer.

Aus diesem Tölengleichnis ziehe ich mehrere Erkenntnisse und es gibt bestimmt noch mehr:

  • Es gibt nicht den richtigen Klang, jeder interpretiert etwas anderes durch seine Lautsprecher - es gibt mehre Wirklichkeiten wie in der Metaphysik

  • Folglich existiert der Satz vom ausgeschlossen Widerspruch nicht - auch gegensätzliche Dinge können wahr sein, da alles nur eine Betrachtung der Realität ist

  • Messbares hat seine Grenzen, denn selbst in der Mathematik hat Gödel gezeigt, dass Beweise nicht die komplette Wahrheit abdecken können - also nicht zu viel der Analyse

  • Wichtig ist der Klang an sich und nicht die Interpretation oder Erklärungsversuche warum etwas auf eine bestimmte Weise klingen muss


Und ganz wichtig: Wenn wir schon wie Höhlenmenschen vor unseren Schallerzeugern sitzen, dann sollten wir es uns wenigstens bequem machen und uns wohlfühlen. Es soll ja schließlich Freude bereiten!



Die Hifi-Reise tritt man am besten auf einem guten Polstermöbel an und zusätzlich hat das auch noch positiven Einfluss auf den Klang. Also bitte denken Sie bei Ihrer Hifi-Anlage immer zuerst an das Sofa und eine schöne Hörumgebung. So entsteht Hifi mit Niveau.

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