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Wie man sich bettet ...

Aktualisiert: 5. März 2023

... so lebet man!

Tatsächlich ist der Charakter eines Bettes oder in diesem Falle einer Schlafzimmereinrichtung immer auch verbunden mit dem persönlichen Charakter.



Bodenständig im besten Sinne ist das, was hier entsteht und das gilt ebenso für den Kunden.

Gewünscht sind ein Bett, drei große Kleiderschränke und zwei Nachttischschränke.


Hierfür braucht es eine gehörige Menge Holz. Also habe ich drei Kubikmeter gedämpfte Buche bestellt. Einen Kubikmeter zur Sicherheit.



Anschließend Sägen, Hobeln, Leimen in unzähligen Stunden.

Wenn dann erst mal alle Maschinen richtig eingestellt sind, geht's zügig voran. Das Bett besteht aus gezapften Holzrahmen mit Füllung. Das ist stabil und langlebiger als das klassische stabholzverleimte Massivholz. Warum? Ganz einfach: die Füllungen sind schwimmend und alles andere besteht im wesentlichen aus Längsholz. Das arbeitet bei Feutigkeitsunterschieden viel weniger und ein bisschen weniger schwer ist es auch.



Genau das Prinzip, was Tischlergeneration zuvor schon gemacht haben. Nur ist der Aufwand in der Herstellung höher.

So sieht's aus wenn es fertig montiert ist. Lattenrost und Matratze werden vom Kunden beigesteuert.



Aus ökonomischen Gründen werden für die Kleiderschränke alle Teile in Serie hergestellt. Irgendwann soll das Ganze ja auch mal fertig werden.

Zunächst mal eine Zeichnung mit unterschiedlichen Tür-Varianten.



Zurück in die Werkstatt und aus krummem Holz gerades Holz machen.



Die Spänepresse im Keller hat gut zu tun.



Was am Ende bleibt, sind viele schöne Holzkassetten. Tatsächlich bringen die Seitenteile, Türen, Böden und Deckel ca. 300kg auf die Wage.



Auf Kundenwunsch werden als Scharniere Topfbänder verwandt. Nicht ganz einfach bei einer Stärke von 25mm und einem Öffnungswinkel von 180° auf 270° das richtige Material auch richtig einzustellen.



Etwas Kritik gab es bezüglich der etwas zu rustikalen Substanz der Füllungen. Und zugegebenermaßen ist dieses Astloch zu groß geraten. Es gibt also eine solidere, wenngleich auch langweiligere Füllung.



Die Löcher an den Stirnseiten werden ebenfalls verschlossen. Hätte ich die Anschläge für die Tischfräse sofort gefunden, wäre mir diese Arbeit erspart geblieben.




Ein Wort noch zu Fehlern im Holz: Aktuell sind sie wieder ganz im Trend. Mit ordentlich Füllmasse zugespachtelt zieren sie fast jedes Massivholzmöbel. Früher war das Verpönt und es wurde ausgebohrt sodass gar kein Ast mehr zu sehen war. Ich persönlich empfinde die Herangehensweise unserer Urgroßeltern als den goldenen Mittelweg. Fehler im Holz sind nun mal da und allein aus Ressourcenschonung sollte man das komplette Holz verwenden. Dabei versuche ich so passend und unauffällig wie möglich mit diesen Holzfehlern zu arbeiten. Ganz so wie diese uralte Treppe im Gengenbacher Kunstmuseum.



Es gibt Momente, in denen man sich kurz vor dem Ziel glaubt und doch noch so weit entfernt ist. Als ich vor Weihnachten die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen hatte und alles probemontiert war, hat es nun doch noch über zwei Monate gedauert bis alles soweit fertig und aufgebaut war. Ursache der Verzögerung sind die beiden Töpfe hier.



Das Einlassen und Polieren mit Hartwachs ist im Falle eines Schrankes etwas Marathonöses. Schließlich handelt sich um viele Quadratmeter, die behandelt werden wollen. Zum Glück hat der zukünftige Besitzer tatkräftig geholfen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Der Massivholzcharakter kommt mit dieser Oberflächenbehandlung wunderbar zur Geltung.



Jetzt noch ein paar Details, die den Schrank zum Unikat machen:


Erstens sind Kleiderstangen aus Buche verbaut. Damit die Kleiderbügel gut gleiten, ist eine glanzvernickelte Messingstange eingebracht. Gleichzeitig wirkt dies viel edler als das sonst verwendetet Stahlrohr.



Des Weiteren sind alle Einlegeböden und Schubladen inklusive Böden aus Buchenmassivholz - Nix Keksholz!



Die Spiegel sind quasi eine eigene Füllung. Sie besitzen das gleiche Maß wie die Innenkanten der anderen Füllungen. Somit ergibt sich eine schlüssige Gesamtoptik. Ein Feature, das Walter Gropius schon 1926 in Dessau umgesetzt hat, sind dünne Rahmen mit Dreiecksprofil. Dadurch bleibt die Optik dimensionsstabil, sprich der Spiegel wird nicht je nach Blickwinkel verdeckt. Des Weiteren gibt es keine Schatten oder im Falle der Bauhaus-Fenster wird sehr viel Lichteinfall zugelassen.



Final sind auch die Griffe stilistisch passend angephast. Deren schwarz eloxierte Oberfläche bietet einen schönen Kontrast zum Buchenholz.



Ein Blick ins Innere und auf die Rückseite der Türen zeigt nochmal die Wertigkeit der Möbel. Keine Schrauben, keine Spanplatte, kein stabverleimtes Holz.



Mit viel Arbeit und Liebe zum Detail habe ich zusammen mit dem Besitzer eine grundsolide und optisch stimmige Schlafzimmerausstattung geschaffen, die noch viele Jahrzehnte halten wird. Ein Schlafzimmer mit Charakter!




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