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Gut getarnt

Die Monitor#Eins. Sie erfreut sich großer Beliebtheit und wird mich wohl auch in Zukunft beschäftigen. Diesmal ein ganz spezielles Exemplar, das mich an die alte Diskussion von wegen Zebras und Tarnung erinnert hat.



Ebensowenig wie Zebras das Streifenmuster nutzten, um sich sich zu tarnen, soll das wunderschöne Horn von perfectwood hier verschwinden. Es fügt sich ein und bildet einen sehr stimmig aussehenden Lautsprecher.



Doch bis dahin war ein Stück Weg. Alles begann mit dem Rohmaterial, welches der Kunde kurz nach Weihnachten persönlich gebracht hatte. Nach einem Kaffee und zwei Stunden Köpfe zusammen stecken, ging es los.



Bei den Furnieren der Fa. ALPI handelt es sich auch nicht um Zebrano, sondern Wenge. Diese wird mit der Furnierpresse auf die Multiplex-Platten gepresst.



Doch zuvor werden noch in die Frontplatten mittels Kreisschneider die Aussparungen bis zur halben Plattenstärke ausgeschnitten. Damit sich das Furnier nicht eindrückt bleibt der Kern stehen und erst nach dem Furnieren wird vorn kleiner ausgeschnitten und von hinten das Loch fertig gebohrt.



Hintergrund des Aufwandes ist es, die passenden Bassreflexrohre von hinten gegen das Furnier zu bringen ohne später viel Kante zu sehen.



Nach dem Bündigfräsen der Innenkante erkennt man so gut wie keinen Übergang.

Doch davor sind noch die Löcher zu bohren welche die Magnete aufnehmen, um später die Frontabdeckung halten zu können.



Erst danach werden die Platten auf Gehrung geschnitten und die Magnete passgenau eingeklebt. Auch hier habe nur bis 2 mm hinter die Front gebohrt damit sich die Magnetlöcher nicht im Furnier abzeichen. Ganz wichtig dabei: immer schön auf die Polarität achten, da in den Bespannrahmen ebenfalls Magnete eingesetzt werden.



Verschraubt werden die Chassis später alle in solide Einschlagmuttern. Das ist dauerhaft und kann ordentlich Zug vertragen.



Die selbst gebaute Frässchablone für den Hornausschnitt ist deutlich besser als das kommerzielle Teil aus Aluminium. Damit passt später wieder alles aufs Zehntel.




Wenn alle Ausschnitte gefräst sind, können die Kanten auf Gehrung geschnitten werden.

Hier musste ich wirklich kämpfen, um der Kreissäge eine Toleranz von weniger als 2 Zehntel Millimetern abzuringen.



Und auch das Verleimen war ein Akt für sich. Um eine 100%ig gerade Unterlage zu haben, musste ich auf den Küchentisch aus Glas ausweichen. Die Bilder sprechen für sich.




Das verspannen mit Spanngurten und Klötzchen ist nicht nur günstig, sondern funktioniert auch hervorragend. Allerdings treten einem dann doch die Schweißperlen auf die Stirn, wenn alles rechtzeitig auf Spannung sein soll bevor der Leim abbindet.



Am Tag darauf wird dann drei Stunden sorgfältig und vor allem sehr vorsichtig geschliffen. Schließlich ist das Furnier äußerst dünn. Das Innenleben, also Absorber und Rahmenversteifung (wie sonst bei abnehmbarer Rückwand vorhanden), sind noch während des Abbindens des Leims ins Gehäuse gekommen.



Dann Wässern und noch mal Schleifen und ab geht es zum Lackierer des Vertrauens. Ab jetzt werden die Gehäuse wie Neugeborene behandelt damit ja nichts passiert.



Als Muster habe ich das Horn mit gegeben und tatsächlich haben die Jungs wieder ein unheimlich gutes Finish hergestellt. Es passt.



Ab jetzt kommen die Mühen der Ebene, also all das, was aus einer Holzkiste einen Lautsprecher macht. Zunächst wird das Dämmmaterial vollflächig eingeklebt.



Doch vorher muss noch das Anschlussterminal angebracht werden. Der Kunde hat sich für die sehr simplen, aber äußerst bewährten Einschlagbuchsen entschieden. Schlicht, elegant und funktionell!



Das Dämmmaterial Caruso-Iso-Bond® WLG 035, 50 mm ist Segen und Fluch zugleich. Es stellt wunderbar die Gehäuse ruhig, aber ist furchtbar zu schneiden. Viel Geduld und einige Klingen später ist es dann geschafft.



Die Frequenweiche sitzt ordentlich verschraubt auf Holzstegen vor der Dämmung und als Kabel hat der Kunde das Sommercable Elefant (eine Empfehlung des Youtubers Iam Mad) gewünscht bzw. mitgebracht.



Das Dämmmaterial hinter den Bassreflexöffnungen ist wieder geschwärzt, genauso wie die Innenkanten der Tieftönerdichtung. Bei so viel Mühe im Gehäusebau sind solche Maßnahmen obligatorisch.



Es folgen das Anbringen der Dichtungen und die Verkabelung. Und natürlich darf auch die Dämmung der Hörner mit Alubutyl nicht fehlen.



Ein wenig Nacharbeit am Horn war noch notwenig, damit es am Ende auch alles wirklich zu 100% passt.



Bevor es zu finalen Fotoshootings kam, durften sich die Lautsprecher einspielen bzw. wurden auf ihre Fähigkeiten hin getestet. Dabei habe ich eher aus Testzwecken das konfektionierte Sommercable dazwischen geklemmt. Tatsächlich war es verblüffend, dass plötzlich mehr Hoch- und Tiefton wahrnehmbar, vor allem aber der manchmal etwas scharfe Klang des Hochtonhorns samt Treiber deutlich reduziert war. Also auch von mir, der eigentlich mehr Holz- als Kabelfetischist ist, eine klare Empfehlung für das Elefant SPM425.


Klanglich und optisch ein sehr stimmiges Projekt, das Lust darauf macht noch andere Furniere für die Monitor#Eins zu verbauen.



Der Ständer stammt noch aus der Entwicklungzeit und ist kein offizieller Teil des Lautsprechers. Die Rückseite desselben ist wunderbar schlicht.




Ebenso wie die Zebras ihr Streifenmuster nutzen, um ungute Insekten zu vertreiben, kann auch die Monitor#Eins einen mit schlecht aufgenommener Musik vertreiben. Einfach ein Lautsprecher mit Charakter!

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